Hamburg will’s wissen


Das educamp - ausserhalb des Universums
© Lutz Berger (CC BY-NC 2.0)

Gibt es das Universum, und kann ich mir dort einen Parkplatz wünschen?

Nadia (32 Jahre)

Antwort

Auch wenn es Hamburgern schwerfällt zuzugeben:
Das ist in Bremen:
Universum® Bremen
Wiener Str. 1a
28359 Bremen

...und Parkplätze gibt es da auch: s. Foto

Hamburg University of Technology TUHH
Ruediger Bendlin
Leiter Öffentlichkeitsarbeit/Marketing

Antwort

Die Idee, beim Universum Bestellungen aufzugeben, wurde im deutschsprachigen Raum vor allem durch die Publikation „Bestellungen beim Universum“ von Bärbel Mohr (2004) verbreitet. Dieses Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt und löste einen lebhaften Diskurs aus.

Publikationen, die in die gleiche Richtung zielen, sind z.B. das im angloamerikanischen Raum sehr populäre „The Secret“ von Rhonda Byrne (2006) oder „Erfolgreich wünschen“ von Pierre Franck (2005). Die Bestellung eines Parkplatzes wird dabei häufig als einfache Übung vorgeschlagen. Später könne man angeblich auch zu durchaus anspruchsvollen materiellen oder auch immateriellen Wünschen voran-schreiten (z.B. der perfekte Job, der perfekte Lebenspartner oder ein großer Geldsegen). Das Universum stellt man sich dabei offenbar als eine Art personifizierte Macht vor. Anders als z.B. bei einem Gebet besteht hier allerdings ein deutlich fordernder Anspruch, da die Urheber dieser Theorie von einer Gelinggarantie ausgehen.

Grundsätzlich basiert dieses Gedankenmodell auf der Annahme, dass Gleiches sich anzieht. Dies wird oft so ausgelegt, dass z.B. erkrankte Menschen ihre Krankheit selbst durch negatives Denken angezogen hätten. Positives Denken würde demgegenüber ein günstiges Schicksal bewirken – man bestellt sich die Dinge, die man gern hätte, einfach beim Universum, so die Verfechter dieser These.

Dabei sind angeblich allerdings bestimmte Regeln zu befolgen, ebenso wie der bedingungslose Glaube an die Wirksamkeit der Methode vorhanden sein muss.

Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass diese Weltanschauung große Gefahren birgt und sich im Extremfall sogar menschenverachtend und diskriminierend auswirken kann. So weist man nämlich Menschen, denen irgendeine Art von Unglück widerfahren ist, die Schuld daran selbst zu. Dies geschieht z.B. im aktuellen Diskurs sehr oft bei Krebserkrankungen. Manche Anhänger der Theorie versteigen sich gar dazu, von einer „Krebspersönlichkeit“ zu sprechen. Aktuelle seriöse Studien können diesen Zusammenhang nicht belegen. Ebenso hätten Vergewaltigungsopfer nach dieser „Denke“ ihren Missbrauch selbst herbeigedacht; das Hunger leidende Kind in der Sahelzone hätte ebenfalls einfach nur ein bisschen positiv denken müssen, um nicht zu verhungern. Außerdem führt dieses Modell ggf. zu einer extremen Gedankenzensur, weil jegliche Gedanken negativer Art streng verboten sind.

Sicherlich lässt sich ein gewisser Zusammenhang zwischen der inneren Einstellung und dem Lebensglück nicht leugnen. Die Theorie der Bestellung beim Universum verabsolutiert diesen Zusammenhang jedoch, wenngleich sich durch Lebens- und Alltagserfahrung und auch die Heranziehung von etwas Logik oder gesundem Menschenverstand belegen lässt, dass dies keineswegs ein allumfassendes Prinzip ist, das die Welt im Allgemeinen regieren würde (was passiert z.B., wenn zwei Menschen unabhängig voneinander Bestellungen an das Universum richten, die einander ausschließen?). Es handelt sich wohl vielmehr um eine mentale Bewältigungsstrategie, die zum einen versucht, Erklärungen für Unerklärliches zu finden (Warum passieren schreckliche Dinge?), und zum anderen eine falsche Sicherheit verschafft („Mir kann nichts Schlimmes passieren, ich denke ja positiv!“)

Die Anhänger der Bestellungen beim Universum-Theorie versuchen oft, ihren Ideen einen pseu-dowissenschaftlichen Anstrich zu verleihen, indem sie bei ihren Begründungen die Quantenphysik heranziehen.

Mit seriöser Wissenschaft haben diese Modelle jedoch nichts zu tun!

Dr. Susanne Warda
NORDAKADEMIE Graduate School

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